Die Gebets-App „Hallow“ und das darin integrierte KI-Modul „Magisterium AI“ bieten Antworten auf Glaubensfragen. Die App erreicht weltweit Millionen Nutzende. Doch was bedeutet das für die religiöse Praxis und das Verständnis des Glaubens? An der Universität Passau gehen Theologinnen und Theologen dieser Frage in einem neuen, von der DFG geförderten Projekt nach.

Morgenrosenkranz statt Morgenroutine, Praylist statt Playlist: Die Anwendung „Hallow“ präsentiert sich als „Nummer 1 Gebets-App der Welt“ und erreicht eigenen Angaben zufolge mehrere Millionen Menschen weltweit. Mediale Aufmerksamkeit erregte sie mit ihren Kapitalgebern, dem Tech-Milliardär Peter Thiel und dem US-Vizepräsidenten J.D. Vance.
Die Gebets-App steht im Mittelpunkt des neuen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes „(S)HALLOW Theology? Eine systematisch-theologische Untersuchung der Gebets-App ‚Hallow‘ und eine dogmatische Analyse der damit verbundenen Formen KI-basierter Glaubenskommunikation“. Ein Team der Universität Passau um den Theologen Prof. Dr. Markus Weißer analysiert theologische Chancen ebenso wie potenziell problematische Akzentverschiebungen algorithmisch gesteuerter Glaubenskommunikation. „Im Mittelpunkt steht die Frage, wie digitale Technologien und Künstliche Intelligenz die Vermittlung christlicher Glaubensinhalte, religiöse Praxis und das Verständnis des Glaubens verändern“, erklärt der Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatische Theologie und theologische Gegenwartsfragen.
Spiritualität mit Selbstoptimierung und Leistungsorientierung?
Dazu nehmen die Forschenden das in die Hallow-App integrierte KI-Modul „Magisterium AI“ in den Blick. Dieses soll das Lehramt der katholischen Kirche simulieren und bietet Antworten auf Glaubensfragen. „Die App hat den Anspruch, zu 100 Prozent der Lehre der katholischen Kirche zu entsprechen. Ob das tatsächlich der Fall ist, ist eine dogmatisch hoch relevante Forschungsfrage“, sagt Prof. Dr. Weißer. Es gelte, diesen Geltungsanspruch zu überprüfen.
Ein weiterer Schwerpunkt: die kommerzialisierte Form der Spiritualität durch die App. Dazu zählen Elemente wie das Setzen und Tracken täglicher Gebetsziele oder Routinen in Form von Streaks. „Diese und weitere Gamification-Elemente machen religiöse Praxis digital messbar. Sie integrieren Formen der Selbstoptimierung und Leistungsorientierung in das persönliche Gebetsleben – mit erheblichen systematisch-theologischen Implikationen“, sagt Prof. Dr. Weißer. Kritisch zu bewerten sei außerdem, dass pastorale Begleitung in ein marktwirtschaftliches Modell überführt werde, das Spiritualität als Produktpaket verkaufe. Eine dogmatische Bewertung dazu gebe es noch nicht.
Beitrag zu „Digital Theology“
Unter anderem diese Forschungslücke will das Projekt schließen. Es liefert damit einen grundlegenden Beitrag zur noch jungen Forschungsrichtung der „Digital Theology“ und widmet sich den Auswirkungen digitaler Transformationsprozesse auf Glauben, Spiritualität und kirchliche Verkündigung. Ziel ist es, neue Perspektiven auf die Rolle von KI und digitalen Plattformen im religiösen Kontext zu entwickeln und deren gesellschaftliche, kirchliche und bildungspolitische Bedeutung zu reflektieren. Geplant sind auch wissenschaftliche Vernetzungs- und Transfermaßnahmen.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt über eine Laufzeit von drei Jahren (Projektnummer: 584699093). Dazu fließen Fördermittel in Höhe von etwa 515.000 Euro an die Universität Passau. Das Projekt startet im Oktober 2026.

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Das Menetekel unserer Zeit steht längst geschrieben, doch es leuchtet nicht mehr an Palastwänden, sondern in den Oberflächen unserer Bildschirme, in den Rhetoriken unserer Selbstinszenierung und in den stillen Verschiebungen unseres Wirklichkeitsbewusstseins. Der Mensch begegnet sich heute vor allem als Bild: als kuratierte Version seiner selbst, als Projekt, das es zu optimieren, zu vermarkten, zu glorifizieren gilt. Narzissmus ist unter diesen Bedingungen nicht mehr bloß eine individuelle Charakterverirrung, sondern die schweigende Grundhaltung einer Epoche, die das Ich zur obersten Instanz erhebt. Das Subjekt kniet nicht mehr vor einem Gott, sondern vor seinem eigenen Spiegelbild – und hält dies für einen Akt der Befreiung.






